Niemand traute es sich zu – ein Maurer sprang ein

Alt- Neuöttinger Anzeiger, 21.10.2014

Dieses Gewölbe misst 27,5 Meter in der Spannweite - ein wahrhaft monumentales Ausmaß. Als die Wallfahrtskirche in den Jahren 1910 bis 1912 erbaut wurde, fand sich weder in Altötting noch in der Umgebung der Wallfahrtsstadt jemand, der sich angesichts dieser Dimension die Einwölbung zugetraut hätte. Schließlich sprang Josef Leberer ein. ein gelernter Maurer, der 58 Jahre lang als Polier bei der Altöttinger Firma Lehner arbeitete.

1905 wirkte Josef Leberer im Alter von 24 Jahren beim Bau des Altöttinger Rathauses mit, später dann, gerade einmal um die 30, nahm er sich des Gewölbebaus der Basilika an - und zwar eigenverantwortlich. Mit der Baufirma schloss er einen Sondervertrag ab, wie Ilse Haft mit Verweis auf einen Beitrag des früheren Kreisheimatpflegers Alois Stockner in der Reihe „Oettinger Land" schreibt.

Josef Leberer suchte selbst die Ziegel aus, prüfte sie nach Härte, Brand und Gleichmäßigkeit in ihren Abmessungen, bevor er im September 1911 mit dem Spannen der enormen Wölbung begann. Das Werk gelang - eine großartige Leistung, wie wohl auch der damalige Heilige Vater befand. Im Dezember 1912 verlieh Papst Pius X. Josef Leberer das Laterankreuz.

Von ungefähr kam das Können des Ausgezeichneten nicht: Er war einer der Leberer von Lebern bei Halsbach. Drei Brüder waren es zunächst, die durch ihr handwerkliches und künstlerisches Können von sich reden machten: Georg, Johann Nepomuk und Lorenz Leberer. Letzterer wurde Bauunternehmer in Altötting. 1881 kam Sohn Josef auf die Welt, der schließlich in die Fußstapfen seines Vaters trat.

Mit der Leberer-Dynastie hatte es aber - zumindest in Sachen Bau- oder Kunsttätigkeit - bald ein Ende. Josef Leberer starb 1961 im Alter von 80 Jahren. Von seinen Söhnen eiferte keiner den Vorfahren nach, die Ära, die sich bis Anfang des 18. Jahrhunderts zurückverfolgen lässt, wurde nicht fortgesetzt.                   - red

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