Werden Sie Pate

Es gibt jetzt die Möglichkeit, für einzelne Teile im Kircheninneren Patenschaften zu übernehmen. Eine gute Gelegenheit, gezielt bei der Renovierung mitzuhelfen.

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Geschichten/Erzählungen

In den 100 Jahren seit Bestehen der Basilika ranken sich Geschichten und Erzählungen rund um die große Wallfahrtskirche. Was bisweilen legendär klingt, hat sich durch das Weitererzählen möglicherweise etwas verändert, entspricht aber den historischen Tatsachen und hat immer einen wahren Kern.

Anonyme Gegner

Es ist glaubhaft aus der Feder des Erbauers P. Joseph Anton Keßler überliefert: Noch bevor der erste Plan für die Basilika (geplante Länge 100 m) veröffentlicht wurde, gab es eine Reihe von anonymen Briefen, die sich z. T. massiv gegen den Bau der neuen Kirche wandten. Ein solch großes Objekt bewirkt in der Regel zwei gegensätzliche Reaktionen: Einerseits große Begeisterung bei den Befürwortern und andererseits starke Ängste bei den Gegnern. Das ist bis heute so geblieben.

Der erste Baum für die Basilika

Bei der Versammlung der Marianischen Männerkongregation kam das Gespräch auf das anstehende 100jährige Jubiläum der Basilika. Da konnte ein Sodale aus Niederbergkirchen seinen Beitrag leisten. Er erzählt, dass sein Großvater den ersten Baum für den Bau der Basilika angeliefert hat. Er tat dies mit leicht feuchten Augen und mit einem gewissen Stolz in seiner männlichen Brust.

Mithilfe durch Bruder Konrad

Märkische Volks-Zeitung. Tageszeitung für die Reichshauptstadt, die Mark Brandenburg und Pommern, Berlin, 46. Jahrgang, Donnerstag, 22. November 1934

Zur Ehre der Altäre erhoben

Die Vorsehung Gottes benutzte zur Erreichung ihres Zieles einen scheinbar geringfügigen Anlaß. In Altötting sollte eine große Wallfahrtskirche gebaut werden. Nachdem verschiedene Versuche gescheitert waren, erhielt ich (P. Joseph Anton Keßler) im Jahre 1908 den Auftrag, die Kirche zu bauen.

Da erhoben sich aber solche Schwierigkeiten, daß auch dieses Projekt unausführbar erschien. Eines Tages begegnete mir eine einfache, schlichte Person und sagte mir in treuherziger bajuwarischer Art: “Du hast schon einen drunten in der Gruft, der hilft dir schon, das ist der Bruder Konrad, zu dem musst du gehen.“

Von dieser Stunde an stieg ich jeden Tag hinab in die Gruft und betete an seinem Grabe. Von da an wurden alle Schwierigkeiten leicht überwunden. Der Kirchenbau verschlang viel Geld. Am 17. Todestag, d. h. am 21. April 1911, sagte ich beim Besuch in der Gruft: „Bruder Konrad, ich brauche Geld. Schick mir heute 1000 Mark, wenn du ein Heiliger bist!“ Und siehe, am Mittag brachte mir ein Mann die gewünschte Summe. Ich schloß mit dem Verstorbenen einen Vertrag:

Wenn du mir hilfst, die Kirche bauen, werde ich deinen Seligsprechungsprozeß führen. Bruder Konrad half.

“Mutter Gottes von der Schutzwache”

Der ehemalige Kreisheimatpfleger Stockner erzählt, was er vom Nachfahren der Baufirma Lehner gehört hat.

Als die Muttergottes auf den Dachreiter (Turm) des Basilikadaches aufgesetzt wurde, wäre beinahe ein großes Unglück geschehen. Die fast 10 Meter hohe Statue wurde auf den vorbereiteten Platz aufgesetzt. Noch bevor sie in den vorgesehenen Zapfen schlüpfen konnte, löste sie sich von dem Haken, an dem sie hochgehoben worden war. Die Statue kam gefährlich ins Wanken. Gott sei Dank stürzte sie nicht in die Tiefe; in letzter Sekunde schlüpfte sie in die Verankerung. Wie durch ein Wunder ist nichts Schlimmes passiert.

Der Zuerwerbslandwirt

Ein Sodale der Marianischen Männerkongregation aus Unterneukirchen erzählt folgende wahre Geschichte:

Ein Bekannter von ihm erzählt, dass sein Großvater ein kleines landwirtschaftliches Anwesen besaß. Beim Basilikabau in Altötting verdingte er sich nebenbei als Maurer. Dadurch zog er den Neid seiner Kollegen auf sich. In ihrem Zorn drohten sie, ihn über das Gerüst in die Tiefe zu stoßen, mit der Begründung, er habe doch sein Auskommen daheim, er müsse anderen hier nicht die Arbeit wegnehmen. - Das lässt ein wenig die angespannte Arbeitsmarktlage damals erahnen.

Geschichte zu 1930

Bei der Erstellung der Musterachse und den Untersuchungen im Altarraum 2011 hat der Kirchenmaler etwas Interessantes festgestellt. Bei der Ausweißelung der Kirche 1930 mit Hilfe eines fahrbaren Gerüstes haben die Maler auch die Uhr am Bogen zum Altarraum aufgefrischt. Dabei haben sie mit der Retuschierung nicht gewartet, bis die Uhrzeiger weiter gegangen sind. So ist die Zeit ablesbar, in der die Maler gearbeitet haben. Leider gibt die Uhr nur die Zeit, nicht aber das Datum her.

Der Knabe im Altarbild der Basilika

Für Kunsthistoriker gibt die St. Anna-Basilika in Altötting als Beispiel des sog. Prinzregentenbarocks, ein Werk der Übergangszeit, in dem noch keine völlig neuen Formen versucht, aber auch keine alten Vorbilder kopiert worden sind, sondern aus überlieferten Elementen Neues gestaltet wurde. „Prinzregentenbarock“ deshalb, weil er Produkt der Zeit war, in welcher Prinzregent Luitpold (1886-1912) regierte. Prinzregent Luitpold hat übrigens für die 1912 geweihte Basilika auch den Hochaltar gestiftet. (Anm. Br. Georg: mit 40.000 Mark den größten Teil dafür).

Dessen großes Altarblatt zeigt im Mittelpunkt die Patronin der Kirche, die heilige Mutter Anna zusammen mit Maria. Davor kniet Papst Pius X., der dann 1913 diese große Wallfahrtskirche zur Päpstlichen Basilika erhob, ein Jahr darauf starb und 1954 heiliggesprochen wurde.

In der linken Ecke ist das Bild des Stifters, des Prinzregenten Luitpold, zu sehen.

Wer aber ist der etwa zehnjährige Knabe, den der alte Regent an der Hand hält? Darüber wurde immer wieder gerätselt. Sein Sohn Prinz Ludwig unmöglich, da dieser um jene Zeit schon bärtig und ergraut war. Er übernahm  noch im Jahre der Weihe der Basilika, für deren Bau er das Patronat ausgeübt hat, die Regentschaft und ließ sich 1913 als König Ludwig III. ausrufen.

Auch König Ludwigs Sohn Rupprecht, der spätere thronlose Kronprinz, kommt nicht in Frage. Dieser befand sich damals bereits in den dreißiger Jahren. Also dessen Sohn Albrecht, der heutige Chef des Hauses Wittelsbach?

Als Herzog Albrecht von Bayern diese Woche nach Altötting kam, um am Festgottesdienst am Vorabend zum Fest Mariä Himmelfahrt  teilzunehmen, unterhielt ich mich mit ihm darüber. Er belehrte mich aber eines Besseren: „Nein, nicht ich, sondern mein älterer, 1901 geborener Bruder Luitpold ist es, der leider schon in jungen Jahren gestorben ist.“

Und schmunzelnd stellte der greise Herzog fest: „Zu den Ehren der Altäre habe ich es noch nicht gebracht – und werde es sicher auch nicht bringen. „ Immerhin ist aber damit das Rätsel um den Knaben zwischen Papst und Prinzregent auf dem Altarbild gelöst.

Übrigens, nicht nur Prinzregent und Urenkel sind auf dem Altarbild verewigt. Die Mutter Anna zeigt die Gesichtszüge der 1864 verstorbenen Gattin des Prinzregenten Luitpold. – E. Baumann, 19.08.1989